Teil 2 / Technik und Daten der B707
1.) Geschichte der B707 - Entstehung und Entwicklung
Schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges dachte Boeing an ein zukünftiges Düsenverkehrsflugzeug; man trat dann 1950 versuchsweise an die in Frage kommenden Luftfahrtgesellschaften heran. Nicht ganz zwei Jahre später entschloss sich Boeing, auf eigenes Risiko ein Flugzeug zu entwickeln. Es sollte Ersatz für das Passagierflugzeug Stratocruiser und seine militärische Variante, den Tanker KC-97, werden. Der zunächst als Modell 367-80 bezeichnete Prototyp konnte am 14. Mai 1954 aus der Montagehalle gerollt werden und führte am 15. Juli mit dem Zivilkennzeichen N70700 und mit 4309kp Schub leistenden JT3P-Triebwerken seinen Erstflug durch.
Die US-Luftwaffe bestellte nur 3 Monate später eine große Anzahl KC-135 Tankerflugzeuge. Am 13. Oktober 1955 traf die erste Bestellung für 6 Maschinen der Verkehrsflugzeug-Version 707-121 von Pan American ein. Übrigens- die einzelnen Versionen der Boeing 707-Familie werden durch die Zahlenblöcke hinter dem Bindestrich gekennzeichnet. Die Modelle der Serien -120 und -220 sind für den inneramerikanischen Verkehr bestimmt, die Modelle der Serien -320 und -420 sind Interkontinental-Versionen. Die Varianten der einzelnen Fluggesellschaften beginnen mit '21; der Zusatzbuchstabe B weist auf Mantelstromtriebwerke anstelle der normalen Strahltriebwerke hin. Den Kennbuchstaben C erhalten Frachtversionen des B-Modells. Die Serienausführung 707-120 für den inner-amerikanischen Einsatz unterschied sich vom Prototyp durch einen längeren Rumpf. Nur die 707-138 Maschinen für Qantas erhielten einen 41m langen Rumpf, alle anderen 707-120 sind 44.04m lang.
Am 20. Dezember 1957 flog das erste Flugzeug der Serie -120 und wurde im folgenden August an PanAm geliefert, genau am 26. Oktober 1958 stellt die PanAm ihre ersten 707 auf der Route New York-London in Dienst. Standardtriebwerke der 707-120 waren zunächst 6124kp leistende JT3C-6-Strahlturbinen; alle eingesetzten Maschinen - außer denen der Continental Airlines und TWA - sind 1973 jedoch 707-120B-Versionen und waren mit 7711kp Schub leistenden JT3D-1-Mantelstromtriebwerken oder JT3D-3 von je 8165kp Standschub ausgerüstet. Das erste in dieser Weise für American Airlines umgerüstete Flugzeug flog mit Mantelstromtriebwerken zum ersten mal am 22. Juni 1960. Drei VC-137A Transporter des Military Airlift Command wurden ebenfalls auf Mantelstromtriebwerke umgerüstet (neue Bezeichnung: VC-137B). Die ebenfalls für den Inlandsverkehr bestimmte 707-220 unterscheidet sich von der -120 durch ein verringertes Gesamtgewicht und JT4A-3-Strahlturbinen von je 7167kp Standschub. Dadurch wurden dem Flugzeug auf hochgelegenen Flugplätzen oder in tropischen Gebieten bessere Starteigenschaften verliehen. Für Braniff wurden fünf 707-220-Maschinen gebaut. Dadurch stieg die Gesamtzahl der -120- und -220-Versionen auf 144 Stück.
Der ursprüngliche Prototyp 707-80 ("Dash Eighty") diente Boeing - 17 Jahre nach seinem Bau - noch immer zur Erprobung neuer Versionen.
Der Einsatz der B707-120 von PanAm auf der Nordatlantik-Route erfolgte mehr aus Prestigegründen als aus wirtschaftlichen Erwägungen. Deshalb wurde sie nach einiger Zeit auf inneramerikanische Flugstrecken zurückgezogen, für die sie einfach geeigneter war.
Das „echte“ Langstreckenmodell ist erst die 707-320 Intercontinental. Sie flog zum ersten mal am 11. Januar 1959 . Dies war ein sehr viel größeres Flugzeug mit leistungsstärkeren JT4A-Strahlturbinen, die Spannweite war gegenüber der -120 um 3.43m die Gesamtlänge um 2.56m gestiegen. Auch die Interkontinental-Version wurde zuerst von PanAm bestellt. Quer durch die Vereinigten Staaten eröffnete die Luftfahrtgesellschaft mit diesem Typ am 26. August 1959 die Luftverbindungen, ca. 1 ½ Monate am 10.Oktober dann über den Nordatlantik.
Im Auftrag der BOAC wurde die Version 707-420 mit Rolls-Royce Conway 508-Mantelstromtriebwerken von je 7938kp Schub entwickelt. Am 20. Mai 1959 flog die erste 707-420. Nach Erprobung der ersten vier Flugzeuge forderte BOAC Änderungen zur Verbesserung von Stabilität und Steuerfähigkeit. Das Seitenleitwerk wurde daraufhin 0.89m höher ausgeführt und unter dem Rumpfende eine zusätzliche Flosse angebracht. Die meisten 707-320 und auch viele Flugzeuge früherer Serien erhielten ebenfalls Verbesserungen. Im Mai 1960 begann der Linieneinsatz der -420 bei BOAC.. Auch vier andere Luftfahrtgesellschaften –u.a. Lufthansa- verwendeten diese Version. Insgesamt wurden 69 Maschinen 707-320 und 37 der Version -420 gebaut. Da bei Verwendung von Mantelstromtriebwerken bessere Flugleistungen und größere Tragfähigkeit erreicht werden, war es selbstverständlich, dass in den USA auch bald eine Variante der -320 mit diesen Triebwerken erschien.
Dies war die -320B, die mit 8165kp Schub leistenden JT3D-3-Triebwerken erstmals am 31. Januar 1962 startete.
Ein weiteres Merkmal der -320B war die Einführung neuer, strömungsgünstigerer Flügelspitzen, wodurch die Spannweite um 1.01m zunahm. Die 707-320C ist die Passagier- und Frachtversion des B-Modells. Sie ist durch ein großes Frachttor an der linken Rumpfseite vor der Tragfläche zu unterscheiden. Die -320C erwies sich als beliebteste aller Interkontinental-Versionen. Bis zum 30. April 1971 waren insgesamt 561 Maschinen bestellt worden.
Die Boeing 707 war das erste Turbinen-Luftstrahl (TL) -Verkehrsflugzeug, das in den USA gebaut wurde. Sie gehört zu den am verbreitesten TL-Langstreckenflugzeugen der Welt.
2. Technik und Daten der Boeing B707
Rumpf:
Ganzmetallbauweise mit seitlich leicht eingezogenem ovalen Querschnitt
Tragwerk:
freitragender Tiefdecker in Ganzmetallbauweise mit zwei Holmen; zwei Doppelspaltklappen an und zwei Spoiler auf jedem Flügel; Krüger-Nasenklappen; Doppelspalt-Landeklappen; Flächen V-Form 7°; Pfeilung 45°
Leitwerk:
Freitragende Normalbauweise; leichte V- und stärkere Pfeilform; Ruderbetätigung mit Kraftverstärkung
Fahrwerk:
Einziehbares Bugfahrwerk mit Zwillingsrädern an der Bugstrebe und Fahrwerkschlitten mit je vier Rädern an der Hauptstrebe; Doppeltandem-Hauptfahrwerk wird nach innen in den Rumpf eingezogen, Bugfahrwerk nach vorn in den Rumpfbug
Rollout: 14.5.1954
Erstflug: 15.7.1954
- (B367-80, "Dash 80", Dauer 1.24h, 2 Fassrollen) 30.12.1957 (-120) 11.1.1959
- (-320) 20.5.1959 (-420, RR-Conway 505 (7484kp/16500lbs)) 11.6.1959
- (-220, mit JT4A-3/-5) 22.6.1960 (-120B) 31.1.1962 (-320B) 19.2.1963
- (-320C Convertible) 3.2.1968 (-120, 2. Maschine)
Versionen:
- -020: interne Werksbezeichnung für die Mittelstreckenausführung, allgemein als Boeing 720 bekannt
- -120: erstes Serienmodell
- -120B: vergrößerte Profilsehne an der inneren Flächenvorderkante, 5 gebaut
- -138: um 3.5m verkürzte Version mit größerer Reichweite
- -220: Version der 707-120 mit stärkeren Triebwerken
- -320B: Weiterentwicklung der 707-320 mit zahlreichen Intercontinental Verbesserungen am Tragwerk zur Erhöhung des Auftriebs (neue Flächenenden, 1m größere Spannweite, Vorflügelklappen, verbesserte Landeklappen), 80 gebaut
- -320C Freighter: Frachtversion, 18 gebaut
- -320C Convertible: Version der 707-320 B als Fracht- oder gemischte Fracht-/Passagierausführung mit großer vorderer Ladetür und besonderen Ladeeinrichtungen für Paletten und Behälter, 142 gebaut
- -420: Version der 707-320 mit anderen Triebwerken Intercontinental
- B367-80: Prototyp, JT3C
- VC-137 A: Bezeichnung der 707-120 bei den Luftstreitkräften
- VC-137 C: Bezeichnung der 707-320 bei den Luftstreitkräften
Zulassung:
23.9.1958 5.11.1959 (-220) 15.7.1959 (-320) 12.2.1960 (-420) 1.3.1961 (-120B) 31.5.1962 (-320B)
Indienststellung:
- 26.10.1958(bei PanAm)
- 10.10.1959(-320, bei PanAm)
- 20.12.1959(-220, bei Braniff)
- 05.1960(-420, bei BOAC)
- 06.1963(-320B, bei PanAm)
Sonstiges:
Bis 1974 wurden 892 Boeing 707 und 720, insgesamt (bis 1980) 980 zivile und 820 militärische Maschinen (hauptsächlich KC-135) gebaut (63 -120, 78 -120B 5 -220, 69 -320, 174 -320B, 337 -320C, 37 -420).
