Die Boeing B707-430/D-ABOD „Frankfurt“

Teil 1 / Die B707-430 / D-ABOD der Lufthansa

Teil 2 / Wie kam der Flughafen Hamburg wieder zu einem eigenen Flugzeug

Teil 3 / Die B707-430 / D-AFHG „HAMBURG AIRport“ heute

Teil 4 / Die B707-430 – morgen und in Zukunft

Teil 1 / Die B707-430 / „Oscar-Delta“ der Lufthansa

Die Boeing B707-430 D-ABOD wurde unter der lfd. Werknummer 17720 im Jahre 1960 im Boeing-Werk Renton gebaut. Am 19.Februar 1960 erfolgte das Roll-out. Zum ersten Mal in die Luft erhob sich die 707 am 5.April 1960, und schon 19 Tage später, am 24.April, wurde sie an die Lufthansa übergeben. Chefpilot Rudolf Mayr ließ es sich damals nicht nehmen, selbst am Steuer den Jet nach Hamburg zu überführen, ihre erste Landung in Europa erfolgte also hier auf unserem Flughafen.

Hier in Hamburg wurden dann erst die Innenausstattung –Sitze, Bordküchen, Toiletten und Wandinnenverkleidung- eingebaut. Schon weitere 2 Wochen später ging die 707 in den Liniendienst der Lufthansa. Eine weitere Woche weiter eröffnete Relativ sie die neue Lufthansa-Verbindung von Frankfurt nach San Francisco mit Zwischenlandungen in Paris und Montreal – nonstop schaffte diese Variante der B707 die Strecke nach Kalifornien nicht.

Der 16.September 1960 war ein weiterer besonderer Tag in der Chronik der D-ABOD, denn an diesem Tage erhielt sie den Namen „Frankfurt“ von ihrer Taufpatin Rita Bockelmann, die Ehefrau des damaligen Bürgermeisters der Stadt Frankfurt am Main.

Am selben Tag wurde übrigens eins der Schwesterflugzeuge, die D-ABOC, auf den Namen „Berlin“ getauft – von keinem Geringeren als dem damals amtierenden Regierenden Bürgermeister der Stadt Berlin, Willy Brandt.

Hier ist das Schwesterflugzeug D-ABOB in der Luft.

Von da ab an versah die 707 recht unspektakulär und ohne große Schwierigkeiten ihren Dienst. Vorrangig eingesetzt wurde die D-ABOD auf dem Streckennetz nach Nordamerika. New York, Chicago, Montreal, San Francisco und Los Angeles waren bald gewohnte Ziele für dieses Flugzeug. Schon wenige Monate später stellte sie einen Rekord auf – die Strecke New York – Frankfurt wurde bei starkem Rückenwind in 5 Stunden und 35 Minuten bewältigt.

Hier ist das Schwesterflugzeug D-ABOB in der Luft.

Die D-ABOD in Tokio-Haneda

Die D-ABOD flog dann fast 16 Jahre lang im Liniendienst, bis sie am 1.Dezember 1975 als erste der 5 B707-430 außer Dienst gestellt wurde. Bis dahin hatte sie 59.024 Flugstunden in der Luft verbracht und mit insgesamt 20.783 Landungen abgeschlossen. Insgesamt hat sie ca. 53 Millionen Kilometer zurückgelegt – dies entspricht knapp 140 mal der Entfernung von der Erde zum Mond. Doch damit ist die Geschichte dieser Lady noch lange nicht zu Ende.

Noch einmal erhob sich in die Luft, und zwar im März 1976 – als Filmstar. Während die gesamte rechte Flugzeugseite immer noch die Bemalung der Lufthansa aus ihrer Dienstzeit trug, verwandelte sie sich auf der linken Seite in ein weltbekanntes und berühmtes Flugzeug – in die ‚Air Force One‘ der amerikanischen US-Präsidenten.

Nach vorliegenden Informationen flog die D-ABOD ein letztes Mal in dieser Bemalung von Hamburg nach München für einen Film von Wim Wenders, der in den Bavaria Filmstudios und auf dem Flughafen München Riem gedreht wurde - mit spezieller Genehmigung des weißen Hauses in Washington.

Nach Ende der Dreharbeiten ging’s wieder zurück nach Hamburg und am 15.Juni 1976 wurde die D-ABOD aus der „Luftfahrtrolle“ gestrichen und beendete ihre fliegerische Laufbahn.

Ihre nächste Aufgabe fand die 707 bei der Lufthansa Basis hier in Hamburg. Sie wurde hier stationiert und diente ab sofort den technischen Auszubildenden als naturgetreue Lehrwerkstatt – die einzige ihrer Art auf der Welt. An die 1.700 künftige Flugzeugmechaniker lernten an ihr, wie man Bremsen und Räder aus- und einbaut, wie man ein Triebwerk wechselt oder wie man Steuerelement einstellt.

Die Lufthansa-Techniker rühmten die praxisbezogene Ausbildung ihres Nachwuchses an der Boeing B707, die Lehrlinge freuten sich, dass sie ihre Fertigkeiten an einem ‚echten‘ Flugzeug beweisen konnten. Die Erfahrungen, die Lufthansa mit dem mittlerweile betagten Flugzeug sammelten, flossen in internationale Arbeitsgruppen. Besonders zur Erforschung von Korrosionserscheinungen diente die 707 immer wieder

Laut der Lufthansa-Technik wurden viele bewegliche und mechanische Teile der B707 über 4.000 Mal ! auseinander und wieder zusammengebaut. Interessant daran ist, dass selbst nach dieser großen Zahl von Demontagen die einzelnen Werkgruppen noch heute fast anstandslos arbeiten würden. Nach Ansicht der Fachleute würde solche Belastungen von Teilen heutiger Flugzeuge dass nicht schadhaft überstehen. Es muß aber auch gesagt werden, dass damals wie heute solche Belastungen weit über das hinausgehen, was allein aus Sicherheitsgründen schon mehrfach ‚draufgepackt‘ wird.

Während der gesamten Zeit bei der Lufthansa-Technik behielt die D-ABOD auch ihr Kennzeichen – es gab bis jetzt keine zweites Flugzeug mit diesem Kennzeichen bei der Lufthansa oder Condor. Sie wurde auch immer dem aktuellen Lufthansa-Design angepaßt, einzig die Aufschrift ‚Lufthansa-Training‘ auf dem Rumpf machte deutlich, das sich dieses Flugzeug nicht mehr im fliegerischen Dienst befand.

In den 80er Jahren wurden noch einmal 2 der vier Rolls Royce Conway-Triebwerke zum Leben erweckt – danach war dann auch hier absolute Ruhe eingekehrt. Vorteil dieses Flugzeuges war aber weiterhin ihre Flexibilität. Nicht einfach nur abgestellt -eventuell sogar noch aufgebockt und nicht rollbar- , wurde die 707 immer auf einem ihr zugedachten besonderen Stellplatz am Vorfeld 6 in der Nähe der Jumbohallen geparkt.

So wurde sie damals schon mehrfach auch von der Flughafen Hamburg GmbH für durchzuführende Notfallübungen ‚geliehen‘. Bei einer Großübung im Jahre 1998 war sie auch wieder dabei. Damals wurde das erste Mal darüber gesprochen, dass die 707 bei der LHT- wie es mittlerweile bei Lufthansa heißt- ‚ausgemustert‘ wird und nicht klar ist, was dann kommt.

Teil 2 / Wie kam der Flughafen Hamburg wieder zu einem eigenen Flugzeug

Nachdem viele alte Kollegen und Flugzeugfans in Hamburg sich immer noch gut an die alte Super-Connie erinnern können und es heute noch bedauern, das sie nicht mehr in Hamburg ist, war wohl immer der geheime Wunsch da, wieder ein Flugzeug zu haben. Besonders die Kollegen der einzigartigen Modellschau – einem Modell des Flughafen Hamburgs im Maßstab 1:500- mit ‚richtigem‘ Flugbetrieb hörten von den zahlreichen Gästen vor allem bei den angebotenen Rundfahrten auf dem Vorfeld immer wieder, dass sie sich auch gerne mal ein richtiges Flugzeug von innen ansehen möchten. Nur das läßt sich heute im laufenden Flugbetrieb nicht darstellen.

Heute steht die Super-Connie neben 106 anderen Luftfahrzeuge im Flugzeugmuseum Hermeskeil im Hunsrück.

Bei der großen Flugunfallübung der Flughafen Hamburg GmbH im Jahre 1998 wurde die 707 wieder von der Lufthansa ausgeliehen. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein erstes Mal laut, dass die 707 bei der LHT ausgemustert wird. Das hörte offensichtlich der ‚richtige‘ Mann zum ‚richtigen‘ Zeitpunkt, Günther Fiergolla.

Er war nämlich einer der flughafenseitigen Organisatoren der Übung und ist im Flugbetrieb der FHG tätig. Er entwickelte die Idee, dieses Flugzeug genau für diese und noch viele weitere Zwecke von der Lufthansa zu übernehmen und trat in die Verhandlungen ein. Zuerst mal mußte mit der LHT geklärt werden, zu welchen Bedingungen die LHT bereit wäre, die 707 abzugeben. Danach wurde ein Konzept entwickelt, welches dann der eigenen FHG-Geschäftsführung vorgelegt werden mußte, die dann zu entscheiden hatte, ob sie dieses annimmt und dem ‚Kauf‘ der 707 zustimmt.

Da gerade besonders durch die damalige neue Stabstelle Presse- Öffentlichkeitsarbeit (SK – heute CK ) eine neue offensive Haltung gegenüber der Öffentlichkeit forciert wurde, hielt man die B707 auch für einen geeigneten Werbeträger und unterstütze das Vorhaben massiv. Da die Lufthansa trotz Anfrage kein Interesse zeigte, die 707 wieder in ihrem Original-Design von 1960 zu lackieren, wurde eine auf die FHG zugeschnittene Lackierung entworfen.

Nachdem alle diese und noch viele andere Fragen geklärt waren, stimmten die Geschäftsführungen der Lufthansa-Technik und der Flughafen Hamburg GmbH dem Besitzerwechsel der Boeing B707 zu. Innerhalb einer Woche wurde aus der D-ABOD / Lufthansa-Training in den modernen Lackierhallen der Lufthansa die D-AFHG / HAMBURG AIRport.

Im Rahmen der ersten Hamburg Airport Classics 1999 am 5. und 6. Juni 1999 wurde die B707 am 5.Juni fast 24 Jahre nach ihrem letzten Flug und fast 40 Jahre alt zum Preis von einem symbolischen Euro an die Flughafen Hamburg GmbH verkauft.

Teil 3 / Die B707-430 / D-AFHG „HAMBURG AIRport“ heute

Nach der Übernahme der B707 durch die FHG konnte die 707 vorerst auf dem Vorfeld 6 in der Lufthansa Werft stehen bleiben. Vorgesehen war aber ein Dauerstellplatz im Bereich der FHG. Der musste erstmal gefunden werden. Denn mehrere Bedingungen sollen erfüllt werden:

Als ein idealer Platz wurde die Fläche querab zum Anflug der Piste 23 gegenüber der Zuschauerterrasse angesehen. Doch dazu waren eine Menge von Maßnahmen und Vorbereitungen notwendig, bevor die Maschine dort wirklich abgestellt werden konnte. Denn dorthin führt kein Rollweg. Und das Flugzeug soll ja weiterhin jederzeit bewegt werden können.

Somit begann ein langer und steiniger Weg innerhalb der FHG, bevor die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der 707 überhaupt voll ausgeschöpft werden können. Auch heute ist noch nicht alles so eingerichtet, wie beabsichtigt.

Dennoch - vieles wurde bisher geschafft.

Seit 2004 konnte am Flugzeug nicht mehr so aktiv gearbeitet werden, weil die neuen Luftsicherheitsgesetze der EU die Zugangsmöglichkeiten sehr einschränkten. Nur die IG-B707 – die Interessengemeinschaft IG-B707 – unter der Leitung von Günther Fiergolla, die sich ja seit Übernahme des Flugzeuges um die B707 kümmert (viele IG-B707-Leute sind auch HAF e.V.-Mitglieder), konnten sich unter seiner Regie weiter um das Flugzeug kümmern. So wurden beginnend ab 2005 sämtliche Fahrwerksreifen ausgetauscht. Seit dem Sommer 2006 steht die B707 auf runderneuerten Reifen, die in den Flugbetrieb nicht gehen dürfen, aber für die B707 wie nagelneue Reifen sind.

Teil 4 / Die B707-430 – morgen und in Zukunft

Die Boeing B707-430 D-AFHG an ihrem Stellplatz im Herbst 2000

Viele werden sich fragen:

Ja, was will denn der Airport mit dem Flugzeug machen?

Was soll den damit passieren?

Eine ganze Menge!

Die vorrangige Nutzung für den Flugzeugeinsatz haben Schulungen, Übungen und Trainings sowie Fachausbildung für Mitarbeiter aller operativen Dienststellen der FHG und deren Töchter. Aber auch andere in der Luftfahrt beschäftigte Unternehmen haben die Möglichkeit bekommen, gegen Nutzungsentgelt an oder in einem Flugzeug o.g. Dinge durchzuführen.

Weitere sinnvolle Nutzung erfährt das Flugzeug bei Einsätzen in:

In der überwiegenden Zeit steht das Flugzeug jedoch in der Regel an seinem vorgesehenen Stellplatz neben der Feuerwehr und Gärtnerei. Dieser Bereich wird noch ausgebaut und erweitert.

Besonders begehrt und attraktiv ist die B707 als Filmkulisse. Seit der Übernahme 1999 ist die Boeing schon vielfach in Film-, Foto- und Fernsehproduktionen eingesetzt worden, was vor allem auch etwas Geld einbringt. Das wird wieder in die Erhaltung, Ausbau und Pflege der 707 einfließen.

Einige bekannte Produktionen, in der die 707 auftaucht, sind u.a.

Besonders der Filmeinsatz im TV-2-Teiler „Im Schatten der Macht“ war sehr aufwendig und spektakulär. Von der Nase bis zum Flügelansatz wurde die B707 wie die ehemalige Luftwaffen-B707 „10+01 – Otto Lilienthal“ der BMVG, der Flugbereitschaft der Bundeswehr, beklebt.

2 Wochen lang gab es wieder eine deutsche „Airforce One-707“ –zumindest zur Hälfte- der Bundeswehr.

Die Registration 10+01 ist heute noch vorne am Rumpf erhalten – denn aus der Airforce One wurde jetzt intern die ‚Airport One’.

Neben den Verwendungsmöglichkeiten für Foto, Film und Fernsehen sind noch viele weitere denkbar und beabsichtigt.

Zu Teilen haben solche Events auch schon stattgefunden:

und, wer es möchte , auch Hochzeiten (Klärung mit Standesamt) oder sonstiges an und im Flugzeug durchzuführen. Eine erste standesamtliche Trauung hat es an Bord schon gegeben.

Ein ganz wichtiger Punkt ist auch der Verein „Hamburg Airport Friends e.V.“. Er soll hier die Möglichkeit erhalten, z.B. regelmäßige Treffs der im Verein eingerichteten Sparte B707 durchzuführen, die sich u.a. auch für Pflege und Wartung der 707 bereit erklärt haben. Und wenn alle Rahmenbedingungen hergestellt sind, soll auch der Verein „HAF e.V.“ die B707 und die Fläche rundum für Vereinsaktionen nutzen können.